Lesen wir das Internet?

Die Anzahl der Information, die uns jeden Tag digital präsentiert werden, führen auf kurz oder lang zu einem „mentalen“ Informations – Overloading. Wir sind gezwungen die Informationen auf deren Relevanz zu scannen, als diese wirklich zu lesen und zu verstehen.

Ein Mitarbeiter hatte vor einigen Jahren mit mir einen legendären Test durchgeführt. Er hat mir ein längeres email geschrieben. Am Anfang und am Ende der Mail stand jeweils eine Frage, die ich zu beantworten hatte. In der Mitte des Mails stand seine angedrohte Kündigung garniert mit einigen despektierlichen Äußerungen. Ich reagierte auf die zwei Fragen, die Mitte des Mails hatte ich überlesen. Soweit zu einer der WERK II Legenden – die besagte Mail konnte ich zur Verifizierung nie mehr wieder finden 😉 Wie jede Legende hat auch diese einen wahren Kern.

Die meisten Informationen, die ich am Tag konsumiere, überfliege ich nur. Mit diesen Informationen setze ich mich selten umfassend auseinander. Mein Lesen beschränkt sich eher auf das schnelle Erfassung („scannen“) von Informationen. Im übrigen finde ich alle Leser meines Blogs doof, die meine Einträge nicht kommentieren. Kein Wunder, die omnipräsenten digitalen Kommunikationskanäle überschütten uns mit Informationen.

Wir sind eher beschäftigt das digitale Informations Overloading zu vermeiden als Information wirklich zu verarbeiten.

Die digitalen mobilen Kommunikations – Devices wie das Smartphone oder Tablet verstärken den Trend des oberflächlichen Lesen („superficial reading“) massiv. Im Gegensatz dazu gibt es den Begriff des Deep Readings. Eingeführt von Sven Birkerts in The Gutenberg Elegies (1994). Dabei geht es um die volle Konzentration auf das Geschriebene. Ein langsames, intensives Lesen, Satz für Satz, und mit der Reflektion des Gelesenen. Man adaptiert das Gelesene und verbindet dieses zu seiner eigenen (nicht digitalen) gedanklichen Welt. Ein langsames, nachhaltiges Lesen.

Vielleicht sollten wir anfangen, einen Teil unserer Kommunikationszeit für das richtige Lesen von Informationen zu verwenden. Ein nachhaltigere Weg als ausschließlich jeden Tag immer mehr Megabytes von Informationen zu scannen.

In diesem Sinne wünsche ich einen schönen Feiertag. Ich werde jetzt in aller Ruhe in ein tolles Buch eintauchen.

(Horst Huber)

4 Gedanken zu “Lesen wir das Internet?

  1. Nicht das Medium ist entscheidend, sondern ob der Text lese- und aufnahmefreundliche geschrieben wurde.

    Häufig werden E-Mails nicht strukturiert und ausgezeichnet, so eine Bleiwüste ist in gedruckter Form auch nicht besser zu erfassen.

    • Ja das sehe ich genauso. Ein schlecht strukturierter und ausgezeichneter Text wird auf keinem Medium richtig gelesen oder schnell erfasst.
      Nicht nur die Leser sondern die Autoren sind in der selben Informationsflut gefangen. Ein geschriebener Text, der gedruckt wird, erhält viel mehr Aufmerksamkeit in Punkto Korrektur als ein schnell geschriebener Text in einem email, Blog oder Kommentar. So gesehen beeinflusst das Medium die Qualität des Textes. Z mindest bei mir ist das so 😉

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