Ist die Creative Cloud ein Clou?

addobe_creative_clou_v3Die Reaktionen auf Adobe’s Ankündigung die Creative Suite nur noch als Creative Cloud Lösung anzubieten führte teilweise zu wütenden Protesten. Mehr als 15.000 empörte Anwender haben auf change.org eine Petition unterschrieben. „Adobe is screwing freelancers and small business owners with this approach“ ist der Grundtenor der Empörung.

  • Das Distributionsmodell der Creative Cloud
    Technisch werden weiterhin Programme wie Photoshop, InDesign auf den lokalen DTP Arbeitsplatz installiert. Jedoch werden die Lizenzen über ein Abonnement gemietet. Freelancer sind somit mit monatlichen Kosten konfrontiert. Wird das Abonnement nicht verlängert, stehen die Programme nicht mehr zur Verfügung. Für Photoshop und InDesign mit ihren proprietären Dateiformaten bedeutet dies nach Ablauf des Abos quasi ein Datenverlust. Für Businesskunden soll weiterhin ein Kaufmodell angeboten werden. Auch verkauft Adobe vorerst weiterhin die Creative Suite 6.
  • Update Politik der Creative Cloud
    Mit der Einführung der Creative Cloud entfallen die großen, generalstabsmäßig, jährlichen geplanten Major Updates der Creative Suite. Stattdessen werden kleinere Updates in schnelleren Zyklen zur Verfügung stellt. Die Digital Publishing Solution gab bereits einen Vorgeschmack darauf. Adobe garantiert dabei keine Abwärtskompatibilität der Dateien. In Verbindung mit dem Abomodell ist die Konsequenz klar: der Publishing Markt wird jedem Update der Creative Cloud folgen müssen. Dies wird auch erhebliche Auswirkungen auf das Ökosystem der Third Party Plug-In Entwickler haben.
  • Leistungsumfang der Creative Cloud
    Abgesehen vom Abomodell der Creative Suite Programme, bietet die Creative Cloud auch umfangreiche Funktionen zur Kollaboration und zur Datenverwaltung. Vor allem für Freelancer und kleinere Firmen ist dies ein attraktives Angebot. Das Investment in spezialisierte Workflow Lösungen sind hoch. Dafür bietet die Creative Cloud einen kostengünstigen Weg. Jedoch übernimmt dabei Adobe die Kontrolle der Dokument- und Workflow Infrastruktur.
  • Adobe bietet in der Creative Cloud vermehrt zusätzliche Services an, damit Kreative Ihre Ideen, Konzepte und Arbeiten austauschen können. Dadurch entsteht eine Business Community für Kreative, die ebenfalls von Adobe kontrolliert wird.
  • Adobe’s Geschäftsmodell
    Adobe ist mit Desktop Publishing groß geworden. Im Kernmarkt Publishing hat Adobe über die Jahre quasi eine Monopolstellung erreicht. In den letzten Jahren versuchte Adobe durch viele Initiativen und Firmenkäufe, diesen Markt zu erweitern. Der Grund dafür ist simpel: Der Publishing Markt schrumpft. Mobile und Online Märkte wachsen stark. Und in diesen Märkten spielt Adobe eher eine untergeordnete Rolle.

Creative Clou(d)?

Ist die Creative Cloud ein Clou? Aus Sicht der konsequenten Weiterentwicklung einer marktbeherrschenden Stellung auf jeden Fall. Die Creative Cloud bietet für die Publishing Industrie ein gutes „Total Cost of Ownership“. Der Haken ist dabei ist die totale Abhängigkeit von Adobe. Es wird im Grunde der „volle“ Preis bezahlt, auch wenn viele Möglichkeiten der Creative Cloud nicht genutzt werden.
Führt die Creative Cloud das Publishing in das mobile internetbasierende Zeitalter? Die Ansätze, die ich bisher kennengelernt habe, lassen mich daran zweifeln. Ein gutes Beispiel ist die Digital Publishing Solution. Ein richtiger Clou des Marktführers wäre gewesen, das Publishing neu zu erfinden. Publishing in neue Schläuche zu füllen reicht nicht auf Dauer.

8 Gedanken zu “Ist die Creative Cloud ein Clou?

  1. Ciao Horst

    Hei, jetzt habe ich erst deinen Blog entdeckt! Cool!
    Für mich ist Creative Cloud, wie sie ab dem 17. Juni verfügbar wird, Adobe 2.0.
    Ich bin froh, zieht Adobe in der Richtung weiter. Cloud ist das, was sich durchsetzen wird. Adobes Bodenhaftigkeit hat mich langsam aber sicher beschäftigt. Ich bin froh, heben sie jetzt ab!
    Ich finde, den Cloud-Weg konsequent zu gehen, sinnvoll. Dass dies einen Shitstorm auslöst, ist klar. Das hat es auch schon, als wir plötzlich raus sind, und behauptet haben, InDesign sei besser als Xpress. Jede Veränderung löst Ängste aus. Und dadurch erkläre ich mir die zum Teil komischen Reaktionen.

    Ligrü
    Haeme

    • Ciao Haeme

      ja viele Reaktionen fallen unter das Thema Shitstorm. Ich denke ein Teil der Hitzigkeit rührt daher, dass viele in der Publishing Branche unter Druck stehen. Die Adobe Ankündigung war sicher ein guter Anlass Dampf abzulassen. Wobei ich verstehe die Reaktion auf den „sanften“ Druck auf das Abo Modell zu wechseln. Ich als Unternehmer versuche auch überall laufende Kosten möglichst zu minimieren. Derzeit suchen wir eine kaufmnännische Software bei WERK II. Wir werden diese auf jeden Fall kaufen und nicht mieten.

      Ich hätte es als fair empfunden, wenn Adobe eine Mischform angeboten hätte: Applikationen der Creative Cloud kaufen, Services der Creative Cloud als Abo.

      Aber Du hast Recht, wie es mit Quark damals war…. war das eine Bildbearbeitungssoftware? ich kann mich nicht mehr so genau daran erinnern 😉

      Gruezi
      Horst

  2. Hallo zusammen,

    ich kann Haemes Optimismus nur teilweise teilen. Bereits heute gibt es das Problem, dass viele Freelancer und kleinere Dienstleister mit uralten Versionen der Creative Suite arbeiten. Natürlich auch um Kosten zu sparen, aber meiner Erfahrung nach in erster Linie weil sie den (vermeintlichen) Zusatznutzen den die neuen Versionen bieten, gar nicht nutzen können. Die Kenntnisse in der Bedienung zum Beispiel von InDesign beschränken sich häufig darauf, ein Dokument irgendwie hinzubasteln. Was bringen hier ständig neue Updates?
    Ich fürchte also ganz konkret eine Zementierung der Teilung des Marktes in 2 Lager und damit eine erhebliche Erhöhung der Kosten, wenn man – so wie wir es eben machen – web-to-print Workflows für viele Partner zur Verfügung stellt. Du hingegen wirst mit dem Problem konfrontiert, das deine hochkomplexen Produkte noch schneller als bisher upgedatet werden müssen. Ob die neuen Features das aufwiegen können wage ich zu bezweifeln.
    Spannend dürfte es zudem werden zu sehen, wie die Bestandskunden zum Abo gebracht werden. Aktuell erscheint mir die Kommunikation seitens Adobe immer noch recht unbeholfen und oberflächlich. Aber vielleicht wird das ja noch…

    Servus

    Stephan

    • Hallo Stephan

      sehe ich genauso wie Du. Es stellen sich dabei zwei interessante Fragen:
      * bilanztechnische Bewertung von alten Lizenzen
      * Wie lange wird es CS6 zu kaufen geben.

      Servus
      Horst

  3. Hallo zusammen!
    Wie sieht das denn bei Werk II aus? Die priint:comet Kunden haben ja in der Regel einen Wartungsvertrag, was man mit einem Abonnement vergleichen koennte (natuerlich hat man hier immer noch die Wahl). Wie hoch ist hier der Anteil derer, die bestehende Projekte und Installationen aktualisieren? Und hier gibt es sicher gravierende Unterschiede zwischen Dienstleistern und Endanwendern. Ich glaube nicht, dass grosse Katalog-Produktionen „mal eben“ auf eine neue Software-Version gehoben werden. Never change a running system.
    Auf der anderen Seite sollte Adobe IMHO die Lizenzpolitik fuer Freelancer und kleinere Anbieter ueberdenken. Was soll ein Web-Designer mit InDesign oder mit Premiere? Hier koennte man die Reaktionen sicher mildern, wenn man auch einzelne Produkte (zum geringeren Preis) anboete.
    Ein Vorteil im Abo-Lizenzmodell liegt aber ganz klar in der Projekt-Arbeit. Wenn ich mir „mal eben“ ein paar Freelancer fuer ein Projekt an Bord holen moechte, muss ich nicht mehr fragen: „Hast Du denn auch die passende InDesign-Version?“ Ich miete halt ein paar Lizenzen dazu und stelle sie zur Verfuegung.

    Viele Gruesse
    Thorsten, der hier keine Umlaute hat.

  4. Hallo
    an den der keine Umlaute besitzt.

    WERK II erhebt eine jährliche Wartung von 20% auf die Lizenzsumme. Darin sind alle Updates und Upgrades kostenfre, und Zugang zu einer Third Level Support Line enthalten. Jedoch werden die Kunden nicht gezwungen auf eine höhere Version zu gehen.
    In einem anspruchsvollen Automatisierungs / Database Publishing Projekt wird nie ohne Not das laufende System geändert. Somit hat Stephan Venus mit seiner Einschätzung sicher Recht, dass es zwei Klassen geben wird. Diejenigen, die jeden Update mitmachen oder diejenigen, die ihre Umgebung einfrieren.

    Im Grunde ist das heute schon so, wir haben immer noch Database Publishing Projekte mit priint:comet basierend auf InDesign CS 3.

    Viele Grüße
    Horst Huber

  5. Das ist übrigens ne wichtige Sache. Als Dienstleister muss ich mich an die Infrastruktur des Kunden anpassen. Ich kann also kein CS6-Projekt machen, wenn der Kunde nur CS4 hat und auch nicht wechseln will. (Ja, das gibt’s)

    In der Creative Cloud habe ich, so wie ich das bisher verstehe, immer nur die aktuellste Version zur Verfügung. Klar, ich kann mich entscheiden mein System einzufrieren, oder zu aktualisieren, aber was ist mit der Installation einer älteren Version neben der Aktuellen? Auf meinem Entwicklungsrechner laufen z.Zt. 3 versch. InDesign-Versionen in Harmonie nebeneinander. Das wird wohl der Vergangenheit angehören, oder weiß jemand, ob das weiterhin möglich sein wird?

    Gruß
    Andreas, der noch Umlaute übrig hat: üöäÖÄÜÜÜÄääöäÖÖÜßßß

    • Hallo Herr Hengsbach

      nach Aussagen von Adobe ist es möglich, Installer lokal zu speichern. Das bedeutet also für die Mediendienstleister:

      * immer alle Installer zu speichern und sorgfältig zu archivieren
      * wenn es schlecht läuft, nicht mehr 3 CS Versionen auf dem Arbeitsplatz zu installieren, sondern eher 10

      Gruß an den mit den vielen Umlauten
      Horst Huber

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